Ich habe eben einen Artikel im Handelsblatt gelesen: Die Vollkasko-Strategie kostet ein Vermögen. Darin beschreibt der Autor Ulrich Stephan, dass immer mehr Deutsche ganz sichere Geldanlage bevorzugen. Stephan stellt die These auf, dass eine Geldanlage in Tagesgeld real (d.h. nach Inflation) einen Vermögensverlust darstellt. Urlich rechnet so: Wer heute auf seinem Tagesgeldkonto 1% Zinsen erhält und wenn man eine künftige Inflationsrate von 1,5% erwartet, dann hat man unterm Strich eine Minusrendite von-0,5%.
Die Rechung stimmt deswegen nicht, weil derzeit faktisch die Inflation deutlich niedriger ist. Und sollte die Inflation wieder in Richtung 1,5% gehen, so ist auch zu erwarten, dass Tagesgeld sich wieder mit 2% und mehr verzinst. Das Gute bei Tagesgeldkonten ist ja, dass die Zinsen täglich angepasst werden können. Und die Höhe des Zinssatzes hängt eben auch von der Inflation ab.
Was aber Ulrich Stephan auch überhaupt nicht zu bedenken scheint: Für manche Anleger kommt es überhaupt nicht auf die Rendite an, um ihre individeullen Anlageziele zu erreichen. Manchmal ist es sogar schlau einen geringfügigen Wertverlust in Kauf zu nehmen.
Nehmen wir mal folgendes Beispiel: Nehmen wir an, Herr A ist alleinstehend und 45 Jahre alt. Eines Tages gewinnt er 5 Mio Euro im Lotto. Jetzt geht es natürlich darum, wie dieses Geld am besten anzulegen ist. Dabei sollte vernünftigerweise sein Anlageziel im Vordergrund stehen.
Nehmen wir an ein seriöser Anlageberater fragt Herrn A, welchen Zweck er bei der Anlage seiner 5 Mio Euro verfolgt?
Nehmen wir weiter an, dass Herr A antwortet, dass er vollauf damit zufrieden ist 5000 Euro pro Monat seinem Vermögen entnehmen zu können. Da er keine Nachkommen hat, ist ihm der Substanzerhalt nicht wichtig.
Rein theoretisch könnte der Anlageberater Herrn A raten, das Geld einfach auf seinem Girokonto zu 0% Zinsen liegen zu lassen. Denn so könnte Herr A noch über mehr als 80 Jahre monatlich die gewünschten 5000 Euro entnehmen, bis das Vermögen aufgebraucht ist. Für Herrn A besteht keine Notwendigkeit, sein Geld riskant anzulegen. Er kann auch mit einem schlichten Giro- oder Tagesgeldkonto sein Anlageziel erreichen – und er wird immer ruhig schlafen können. Auch wenn es mal an der Börse einen Crash gibt.
Nicht selten hatten Leute im Prinzip alles erreicht, dann kommen sie auf die Idee, ihr Geld riskant anzulegen. Und plötzlich haben sie so viel verloren, dass sie wieder bei Null anfangen dürfen.
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„Rein theoretisch könnte der Anlageberater Herrn A raten, das Geld einfach auf seinem Girokonto zu 0% Zinsen liegen zu lassen. „
Aber wirklich nur rein theoretisch. Wenn Herr A sagt, dass er bis zu seinem Lebensende monatlich 5.000 Euro aus seinem Vermögen entnehmen können möchte, meint er ja nicht den Betrag von 5.000 Euro, sondern den wirtschaftlichen Wert von 5.000 Euro. Eine Reduzierung des Inflationsrisikos ist also gerade bei Herrn A geboten.
Außerdem besteht natürlich auch bei einem Girokonto ein Insolvenzrisiko der Bank.
Meinetwegen können es auch 10 Giro- bzw- Tagesgeldkonten sein. Darauf kam es mir in dem Beitrag nicht an.
Und selbst wenn man eine Inflation berücksichtigt und die anfänglichen 5000 Euro jährlich um , sagen wir, 2% steigen lässt, selbst dann reichen die 5 Mio Euro sehr, sehr lange.
Und noch was: Sie werden überrascht sein, wieviele Anleger in der Praxis ihr Geld viel zu riskant anlegen. Die wenigsten denken wirklich richtig übe rihre Anlageziele nach. In meiner Beratungspraxis rate ich bemerkenswert vielen Leuten dazu, ihr Vermögen sicherheitsorientiert umzuschichten. Und das nicht erst seit der Krise.
Ich finde das Renditestreben vieler Anleger für nicht wirklich nachvollziehbar. Viele meinen einfach, hohe Renditen zu erzielen ist ein Selbstzweck für sich. Aber hohe Renditen sind immer auch mit Risiko verbunden. Anders geht es leider nicht. Und man sollte sich bevor es kracht überlegen, ob man das Risiko wirklich will.
Wenn es dann einmal gekracht hat, dann kommen plötzlich viele Anleger auf die Idee, dass sie ja „niemals riskant anlegen wollten“. Aha, aber vorher unterliegen sie dem Reiz hoher Renditeerwartungen. Auch der Autor Ulrich Stephan setzte hohe Renditen für sich als Selbstzweck, ohne zu berücksichtigen, dass das in so manchem Falle überhaupt keine Rolle spielt. Und wie gesagt: meiner Meinung nach sind das bemerkenswert viele Fälle.
Ja die Risikobereitschaft… spannend ist, dass sich diese sogar im Zeitablauf ändern kann und das unabhängig vom Alter. Bis zum Platzen der Internetblase im Jahr 2000 kannte die (leider) gefühlte Risikobereitschaft keine Grenzen. Im März 2003 hatte die Risikoaversion die Oberhand gewonnen… natürlich am Tiefstpunkt der Aktienbörse. Leider stand, steht und wird dem Anleger die eigene Psyche im Wege stehen.
Seit den Erfahrungen des Jahres 2008, vgl. Lehman Pleite, muss das Thema Risiko weiter gefasst werden als „lediglich“ Schwankungsbandbreite. Dem Punkt Bankeninsolvenzen (laufend in den USA zu beobachten, Island…), Bankrun (siehe Northern Rock in Großbritanien) sowie möglicherweise Inflation ist bei Strategieüberlegungen deutlich mehr Bedeutung beizumessen als bisher üblich. Natürlich ist Inflation aktuell kein Thema, das Schreckgespenst Deflation greift um sich (siehe Japan). Demnach wäre Tagesgeld bei fallenden Preisen goldrichtig. Allerdings
könnte dieser deflationären Spirale schon bald eine inflationäre folgen: Dann nämlich wenn die amerikanische Notenbank weiter Geld druckt und irgendwann über`s Ziel schießt.
Ob dann die Zinsen der Banken mit der Inflation Schritt halten könnten ist fraglich. Steigende Zinsen würden dann zu weiteren Kreditausfällen führen und dem Risiko von Bankinsolvenzen neuen Nährboden bereiten.
Ein weiterer Faktor ist die Abgeltungsteuer. Nach Steuern verblieben von dem 1% Tagesgeldzins nur noch rund 0,75% (vor Soli und KiSt).
Auch ich bin der Meinung, dass es aus heutiger Sicht vielmehr um Vermögenserhalt, denn Rendite gehen sollte. Auch ist es wichtig, dass sich der Anleger wohl fühlt und nachts ruhig schlafen kann. Ich persönlich würde mich unwohl fühlen, einen Großteil meines Vermögens im Tagesgeld zu halten. Meine Risikobereitschaft hierfür ist zu gering…
Ich gehöre auch eher zu jenen Leuten, die ihr Geld ohne Risiko anlegen wollen. Millionärin wie in dem Beispiel bin ich nicht, aber ich versuche jeden Monat einen Teil meines Nettogehaltes zu sparen. Dazu habe ich ein Tagesgeldkonto eröffnet. Die Zinsen liegen derzeit bei 1,3 %, das finde ich ok Außerdem ist mein Geld durch eine Eilagensicherung der Bank gesichert. Natürlich kann man im günstigsten Fall zum Beispiel mit Aktien höhere Gewinne erzielen, aber bei fallenden Kursen kann auch das gesamte Kapital verloren gehen, das ist mir viel zu riskant, zumal ich auch kein Börsenprofi bin. Wenn man in Aktien investiert, sollte man den Verlust immer mit einkalkulieren und das angelegte Geld entbehren können.
Das mit dem Verhältnis Inflation und Zinsniveau stimmt natürlich. Daher wird man in der Regel immer eine sichere Tagesgeldanlage finden, die über der Inflationsrate liegt. Im Falle des Lotto-Gewinns sollte man allerdings auf die Einlagensicherung achten, denn wie man an der Noa Bank sieht, gibt es auch in Deutschland Banken, die nur gesetzlich abgesichert sind.