Falsche Geldtheorie ist gefährlich

Bis zu einem gewissen Grade ist Geld der Sprache ähnlich. Wir lernen als Kinder zu sprechen, sprechen unser Leben lang ohne groß über das Wesen der Sprache nachzudenken. Sobald wir aber damit beginnen, über Sprache nachzudenken wird das Ganze verwirrend und es erscheint fast ein Wunder, dass wir mittels Sprache kommunizieren können.

Auch die Verwendung von Geld lernen wir von klein auf. Und wir verwenden Geld vollkommen selbstverständlich – bis wir damit anfangen, uns Gedanken über das Wesen des Geldes zu machen. Sobald wir über etwas so Alltägliches wie die Verwendung von Geld nachzudenken, werden die Dinge plötzlich verwirrend und subtil. Mit einem Male erscheint einem die Verwendung von Geld seltsam, direkt erstaunlich.

Ein Unterschied besteht jedoch zwischen Geld und Sprache. Wer seine Gedanken mit bezug auf die Sprache verwirrr und hier krude Theorien entwickelt, fängt im schlimmsten Fall an zu stottern. Verwirrende Gedanken jedoch oder falsche Ideologien mit bezug aufs Geld, können richtigen Schaden anrichten.

Das kann man sehr gut beispielsweise sehen, wenn man das hervorragende Buch von Liaquad Ahamed liest: Die Herren des Geldes: Wie vier Bankiers die Weltwirtschaftskrise auslösten und die Welt in den Bankrott trieben. Ahamed beschreibt hier sehr gut, wie das ideologische Festhalten der in den 1920er Jahren wichtigen Zentralbanker an dem Goldstandard wesentlich zur wirtschaftlichen Misere im 20. Jahrhundert beigetragen hat.

Aber auch auf privater Ebene kann ein falsches Denken übers Geld zu großen Desastern führen. Siehe dazu meinen Beitrag über den “Goldhamster“.

Nachfolgender Beitrag bezieht sich auf einen Kommentar des Lesers TÜLAI zu meinem letzten Artikel “Geld und Kredit“  …

TÜLAI schreibt:

“Der Geldschein in Ihrem Portemonnaie ist jedoch Ihr Rückzahlungsanspruch (= Einlöseforderung) gegenüber den Volkswirtschaften der Euro-Staaten…

Meinem Verständnis nach, müsste alles Symbolgeld (Papiergeld und Münzen und alle weiteren Geldmangen ab M2) schuldenbelastet sein, falls es gemäß den Regeln der doppelten Buchführung korrekt zuginge.

Der Geldschein in Ihrem Portemonnaie spiegelt dann sozusagen vergangene, durch Erzeugung von Waren und Dienstleistungen erbrachte Arbeitsleistungen der Volkswirtschaften der Welt wieder. Sie bleiben mit Ihrem Papiergeld Gläubiger der Volkswirtschaften, solange Sie nicht die harte Probe machen und Ihre Forderungen einlösen.”

Tatsächlich sagen die modernen Geldtheorien, dass Geld durch die Kreditvergabe von Banken geschaffen wird. Dennoch ist es aber falsch zu sagen, dass beispielsweise ein 10-Euro-Schein in meinem Geldbeutel ein Rückzahlungsanspruch gegenüber irgendwem darstellt.

Die Verwirrung entsteht, wenn man die Begriffe nicht sorgfältig unterscheidet und definiert.

Eine Geschäftsbank A erhöht die Geldmenge (“schafft Geld”), indem sie an eine Privatperson B einen Kredit vergibt. Ein solcher Kredit sieht so aus: “B schuldet A so und so viel Euro, die bis zu einem Stichtgag x zurückgezahlt werden müssen und mit einem bestimmten Zinssatz zu verzinsen sind” (oder so ähnlihch).

Wichtig an dieser Stelle ist, dass ein solcher Kredit ganz klar beschrieben und sehr klar definiert ist, was genau an wen genau wie zurückzuzahlen ist.

Jetzt sehen wir uns einmal einen 10-Euro-Schein an. TÜLAI schreibt, dass es sich hier um einen Rückzahlungsanspruch gegenüber den Euro-Volkswirtschaften handelt, dass also der Geldschein so etwas wie ein Schuldschein ist, der gegen Dienstleistungen oder Waren eintauschbar ist.

Das ist aber nicht so. Ein Geldschein ist kein Schuldschein. Das ist ein Missverständnis. Ein Schuldschein benennt konkret den Schuldner und konkret, was genau geschuldet wird. Wem genau gegenüber soll mein 10-Euro-Schein denn gegen welche genaue Ware eintauschbar sein? Dem Schreibwarenhändler um die Ecke? Aber dieser hat mir diesen Geldschein ja gar nicht ausgestellt. Sein Name ist nicht auf dem Euro-Schein notiert. Ebensowenig ist auf dem Schein genau notiert, wieviele Kugelschreiber, Papier und Ordner ich dafür von ihm einlösen kann.

Dass der Geldschein (Geld überhaupt) nicht konkret ist: das ist gerade der wesentliche Unterschied zu einem Kredit. Ein Geldschein ist eben kein Kredit, sondern ein Zahlungsmittel.

Wenn ich einen 10-Euro-Schein in der Tasche habe, dann schuldet mir zunächst niemand etwas. Das Einzige was ich haben kann, ist das Vertrauen darauf, dass ich (hoffentlich) in näherer oder ferner Zukunft meinen Euro-Schein gegen irgendwelche Dienstleistungen oder irgendwelche Waren von irgendjemanden eintauschen kann. Weder die genaue Höhe, wieviel Kugelschreiber genau, noch vieviele Semmeln genau, noch wieviele Tafeln Schokolade genau, etc. sind festgelegt. Und ich habe darauf auch keinen Anspruch.

Wenn ich Pech habe, verlangt der Schreibwarenhändler um die Ecke morgen 1000 Euro für einen Kugelschreiber. Dann werde ich für meinen 10-Euro-Schein gerade mal ein Tausendstel eines Kugelschreibers erhalten. Wenn ich noch größeres Pech habe, werde ich für einen 10-Euro-Schein gar nichts mehr bekommen.

Und wie könnte das geschehen? Wenn die Leute ihr Vertrauen verlieren würden, dass der Euro ein funktionierendes Zahlungsmittel ist.

Anders formuliert: Mein Euro-Schein bleibt mir so lange wertvoll, wie die Leute an den Euro als Zahlungsmittel glauben. So lange die große Masse der Bevölkerung meint, dass man einen Euro-Schein jederzeit wieder gegen irgendwas eintauschen kann, so lange werde ich mit meinem Euro-Schein einkaufen gehen können. Das Wesen des Geldes ist Vertrauen. Das Wesen des Geldes ist nicht, dass ich hier den Anspruch auf irgendetwas hätte. Ein Geldschein ist kein verkappter oder seltsamer Gutschein für irgendetwas, den ich bei einer bestimmten Person für etwas bestimmtes umtauschen könnte. Es gibt keinerlei Anspruch auf irgendetwas von irgendjemanden.

Und das Entscheidende ist: Ein solcher Anspruch ist überhaupt nicht notwendig, damit Geld als Zahlungsmittel funktionsfähig ist. Das ist genau der Irrtum derjenigen, die an den Goldstandard oder ähnliches glauben. Solche Leute meinen: Geld kann doch nur werthaft sein, wenn hinter dem Geld ein einforderbarer Sachwert steht.

Nur: Wenn ich dann den Sachwert habe. Was habe ich dann davon? Gold kann man nicht essen. Gold wärmt auch nicht besonders gut. Gold ist nur werthaltig, sofern ich es selbst wieder als Zahlungsmittel verwenden kann. Damit verschiebt sich aber das Problem.

Gold kann als Zahlungsmittel ja auch nur funktionieren in einem Umfeld von Leuten, die daran glauben, Gold jederzeit später wieder gegen irgendwelche Waren oder Dienstleistungen eintauschen zu können. Wenn das aber nicht gegeben ist, ist Gold ziemlich wertlos. Da nützt auch die Seltenheit dieses Metalls nichts.

In diesem Zusammenhang die Frage: Warum wird denn nicht beispielsweise das Metall Iridium als Zahlungsmittel diskutiert? Das ist genauso selten wie Gold. Aber das Problem ist, dass es keiner kennt. Und noch wichtiger: Iridium war noch nie und nirgends als Zahlungsmittel etabliert. Diesem Metall haftet nicht die Idee an, Zahlungsmittel sein zu können. Wohl aber den Edelmetallen Gold und Silber. Diese “Idee” ist der wesentliche Unterschied zwischen Gold und Silber auf der einen Seite und Iridium auf der anderen Seite. Nicht aber die Tatsache, dass Gold/Silber an sich wertvoller wäre als Iridium.

Das ist der Punkt: Eine bestimmte Art von Dingen (Gold, Silber, Papiergeld) wird nicht durch eine etwaige Werthaltigkeit zu einem Zahlungsmittel, auch nicht deswegen, weil ich damit einen Anspruch auf irgendetwas hätte. Eine bestimmte Art von Dingen wird vielmehr dadurch zu Geld als Zahlungsmittel, weil viele Menschen das Vertrauen haben, dafür in Zukunft irgendeine Ware oder irgendeine Dienstleistung (wie werthaltig genau kann keiner sagen, spielt auch keine Rolle) eintauschen zu können.

Im Prinzip weiß fast jeder heutzutage, dass Geld nach und nach weniger wert wird (Inflation). Solange diese sukzessive Geldentwertung in moderaten Grenzen bleibt, stört sich daran im Prinzip niemand. Jedenfalls belastet dieses Wissen nicht das Vertrauen aufs Geld als Zahlungsmittel.

Paradoxerweise fördert dieses Wissen sogar die Umlaufgeschwindigkeit, und somit die Funktionsfähigkeit des Geldes (wie das Beispiel der Regio-Währungen zeigt, die sich zum Teil sehr stark entwerten). Es ist ein Irrtum zu glauben, Geld ist dann ein besonders gutes Zahlungsmittel, je wertstabiler es ist.

Hierzu noch ein Beispiel aus dem Mittelalter. Damals war folgendes Phänomen bekannt. Wenn ein Münzherr schlechtere Münzen (d.h. mit einem geringeren Silbergehalt) in Umlauf brachte als ein benachbarter Münzherr, so dauerte es nicht lange, bis das “bessere” Geld auch in dem Nachbarland nicht mehr kursierte, sondern nur noch das “schlechtere” Geld. Das “schlechtere” Geld war insofern als Zahlungsmittel gewissermaßen funktionsfähiger.

Klar ist natürlich auch: Wenn eine bestimmte Art von Geld zu schnell an Wert verliert (“Hyperinflation”), so schwindet sehr schnell dasnVertrauen der Bevölkerung in dieses Geld. Und damit kommt ein solches Geld an die Grenze seiner Funktionsfähigkeit als Zahlungsmittel. Irgendwann werden die Menschen es ablehnen, ein solches sich extrem schnell entwertendes Geld überhaupt anzunehmen. Und dann hat dieses Geld aufgehört, funktionsfähigkes Zahlungsmittel zu sein.

Das Problem der Geldpolitik besteht nun darin, eine gewisse Inflation zuzulasen, so dass Geld als Zahlungsmittel funktionsfähig bleibt (denn bei Deflation verliert das Geld auch seine Funktionsfähigkeit als Zahlungsmittel) und dennoch nicht in eine Hyperinflation zu geraten (bei der Geld auch nicht brauchbar wäre). Dies entpricht der legendären Fahrt des Odysseus zwischen Skylla und Karybdis.

11 Antworten

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Peterreins,
    zufällig bin ich auf Ihren Kommentar gestoßen und muss zugeben, noch darüber nachzudenken,was nun falsch bzw. gefährlich an meiner Theorie ist.
    Jedenfalls habe ich das noch nie so vorgehalten bekommen, was ich dankbar annehme.
    Dass der Umgang der Verantwortlichen mit der Weltleitwährung Dollar falsch und vorallem gefährlich ist, dürfte unstrittig sein und provoziert geradezu Alternativ-Überlegungen.
    Mfg Stefan Lachenmann

    • Sehr geehrter Herr Lachenmann,
      ich weiß nicht genau was Ihre Theorie ist. Ich habe mir eben Ihre Iridium-Internetsite angesehen. Und ich war überrascht, dass hier wirklich Iridium als eine Art Reservewährung bezeichnet wird. Ich habe ja in meinem Blog-Beitrag geschrieben: “Warum wird denn nicht beispielsweise das Metall Iridium als Zahlungsmittel diskutiert? Das ist genauso selten wie Gold. Aber das Problem ist, dass es keiner kennt. Und noch wichtiger: Iridium war noch nie und nirgends als Zahlungsmittel etabliert.”

      In einem Punkt habe ich offenbar Unrecht. Auf Ihrer Internet-Site wird tatsächlich das Metall Iridium als Währung diskutiert. Sehr interessant und eben überraschend für mich. Hätte ich wirklich nicht gedacht, dass jemand ernsthaft über Iridium als “Reservewährung” nachdenkt.

      Also. wie gesagt, mir ist nicht klar, was genau Ihre Theorie ist. Auf Ihrer Internet-Site schreiben Sie: “In Zeiten von drohender Inflation als Folge der Finanzkrise sehen viele in den Edelmetallen eine Art Reservewährung.”

      Darin steckt:
      1. Sie glauben, dass eine Inflation kommen wird.
      2. Sie glauben, dass die kommende Inflation schlimm wird, ansonsten würde ja nichts drohen.
      3. Sie glauben, dass diese Inflation in Folge der Finanzkrise kommt.
      4. Sie glauben, dass Edelmetalle, insbesondere Iridium, eine Reservewährung sein könnte.

      zu Punkt 1.
      Dass die Inflation ansteigen wird, dafür gibt es einige Wahrscheinlichkeit. 2009 und 2010 hatten wir historisch niedrige Inflationsraten von etwa 1%. Es wäre eher erstaunlich, dass wir auf diesem niedrigen Niveau bleiben werden. Bis dahin sind wir wohl in etwa einer Meinung.

      zu Punkt 2.
      Die Frage ist nur: wird es zu einer regelrechten Hyperinflation kommen oder sogar zu einer Währungsreform. Also zu einem bedrohlichen Geldentwertungsszenario? Ich nehme an, dass Sie an das Eintreten eines solchen Szenarios glauben. Denn eine moderate Infation ist ja nichts Schlimmes oder wovor man sich fürchten müsste. Typischerweise sind schlechte, krisenhafte Konjunkturphasen mit niedrigen Inflationsraten verknüpft (wie beispielsweise 2009 und 2010 oder in der Großen Depression der 1930er Jahre), während gute Konjunkturphasen typischerweise mit höheren Inflationsraten verknüpft sind.

      So betrachtet wäre es also eher bedrohlich, wenn die Inflation weiterhin so niedrig bleibt, wie sie in den letzen 2 Jahren war. Dass die Inflation aktuell wieder anzieht, ist ja ein Anzeichen dafür, dass es in der Wirtschaft wieder besser läuft. Insofern stimme ich mit Ihnen nicht überein, dass ein Anstieg der Inflation für sich genommen bedrohlich ist.

      Zu Punkt 3.
      Sie glauben, dass eine bedrohliche Inflation (also eine Hyperinflation oder Währungsreform) in Folge der Finanzkrise kommt. Das ist freilich eine sehr gewagte Theorie. In folge der Finanzkrise kam es ja, wie wir wissen, zu einer sog. Kreditklemme. Das exakt bedeutet, dass die Geldmenge weniger stark gewachsen ist als normal. Daher ja die deflationären Tendenzen, die wir gerade durchschritten haben. Wie gesagt: Krisenzeiten sind typischerweise deflationäre Zeiten (also Zeiten sinkender Inflationsraten). Wenn das Ihre Theorie ist, dass infolge der aktuellen Krise eine Hyperinflation kommen wird, dann kann ich diese These definitiv nicht für richtig halten. In Folge der Krise kam es vielmehr, wie anhand der Tatsachen überprüfbar ist, zu sinkenden Inflationsraten gekommen.

      Es ist ja nur so, dass viele Menschen die Aktionen der Notenbanken nicht verstehen. Und aufgrund dieses Unverständnisses meinen, dass die Politik der Notenbanken notwendigerweise in eine Hyperinflation führen müsse. Ich will ja nicht leugnen, dass es möglicherweise zu einem Anstieg der Inflation kommen wird, möglicherweise auch zu einem großen Anstieg. Aber ich leugne vehement, dass hier irgendeine Notwendigkeit besteht. Es kann passieren, muss aber nicht.

      Zu Punkt 4.
      So paradox das klingen mag, aber Edelmetalle sind als Währung nicht geeignet, weil sie nicht hinreichend stark vermehrbar sind. Viele behaupten ja, dass das ein Argument sei, warum Edelmetalle eine solide Währung wären. Ohne Frage würde das zu einem permanenten deflationären Szenario führen, was für die Wirtschaft sehr schlecht wäre. In diesem Zusammenhang empfehle ich wirklich das Buch von Liaquad Ahamed “Die Herren des Geldes”.

      Ihren “Iridium-Cube” kann man heute für 820 Euro erwerben. Ich frage Sie: Wie soll man denn damit in der Praxis einkaufen gehen? Wenn ich Lebensmittel einkaufe, dann gebe ich typischerweise zwischen 50 und 150 Euro aus. Wenn ich mit einem Iridium-Cube bezahlen wollte, dann bekäme ich ganz schön viel Wechselgeld zurück.

      Deswegen halte ich den Iridium-Cube in der Praxis als Zahlungsmittel für nicht geeignet. Wohl aber als Wertaufbewahrungsmittel. Also wenn jemand Angst vor einer dramatischen Geldentwertung oder einer Währungsreform hat, dann könnte man sich Iridium kaufen im Garten vergraben und auf bessere Zeiten hoffen. Oder den Würfel gut im Koffer verstauen und woandershin auswandern. Das geht. Aber meiner Meinung ist es so gut wie sicher, dass Iridium in wirklichen Krisenzeiten (wie beispielsweise bei uns 1945/1946) nicht als Zahlungsmittel verwendbar wäre. (wenn überhaupt mit dramatischen Verlusten, also beispielsweise dass man einen Iridium-Würfel, den man für 820 Euro erworben hat, gegen einen Sack Kartoffeln oder zwei Laib Brot eintauschen kann). Wirkliche Krisenwährungen (also echte Zahlungsmittel, wenn es mal hart auf hart kommt) sind sehr erstaunliche Dinge, wei beispielsweise Zigaretten oder Damenstrümpfe. Aber das sind genau Dinge, die sehr kleinteilig und an sich nicht zu wertvoll sind, und genau deswegen sind sie als Zahlungsmittel geeignet, und genau deswegen wird ein Iridum.-Würfel als Zahlungsmittel in Krisenzeiten nicht geeignet sein (wohl aber wie gesagt möglicherweise als Wertaufbewahrungsmittel).

      Nun ganz zum Schluss: Warum sind solche falsche Theorien gefährlich?

      Wenn jemand an Ihre Theorie mit Leib und Seele glaubt, dann wird er einen Großteil seines Vermögens in Iridium anlegen. Das ist ohne Zweifel ein sehr spekulatives Geschäft. Der Iridium-Preis ist durchaus schwankungsreich und alles andere als stabil. Zweitens wird so jemand sehr einseitig aufgestellt sein. Er wird gegen das elementare Prinzip der Risikodiversifikation verstoßen und alles oder sehr viel auf die eine Karte Iridium setzen. Das ist schon gefährlich.

      Zumal: es könnte ja sein, dass es tatsächlich zu einer Hyperinflation kommt, aber sich dennoch kein Mensch für Iridium interessieren wird und dieses Metall – trotz hoher Inflation – dennoch an Kaufkraft verlieren wird. Auch das ist ein denkbares Szenario und wäre für jene, die zu sehr auf Iridium-Würfel setzen, eine echte Katastrophe.

  2. Sehr geehrter Herr Dr. Peterreins,
    vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Ich muss bekennen, dass mich eine so schnelle und fundierte Rückmeldung beeindruckt. Ich möchte mich der Diskussion gerne stellen, in der Hoffnung, dass wir beide etwas davon haben.
    Zu Ihren Thesen zu Sprache und Geld konnte ich mir ja nun etwas Gedanken machen, und kam zu folgendem Ergebnis.

    Sprache verändert sich ständig und die Kommunikation wird gerade mal wieder revolutioniert. Schon die Tatsche, dass und wie ich Ihren Bloc gefunden habe ist beweiß genug. Ich habe nur „Iridium Geld“ gegoogelt.

    Auch das Geld selbst ist ständigem Wandel unterworfen. Wer hätte vor Jahren gedacht und akzeptiert, dass in manchen Volkswirtschaften das Bargeld fast vollständig durch Plastik-Chip-Karten ersetzt wird.
    Die Gefahren und Risiken, die dadurch ausgelöst wurden kann man am besten in den USA sehen. Befeuert durch fast grenzenlosen Kredit, hat sich der Konsum dermaßen verstärkt, dass er im Verhältnis zur Wertschöpfung/Leistung arg in Schieflage gekommen ist.

    Einerseits ist die Welt global sehr gut vernetzt, andererseits bestehen große Unterschiede in den Systemen und vor allem im Konsum:Wertschöpfungs – Verhältnis.
    Diese Schieflage kann man kurzfristig mit Währungspolitik behandeln, heilen jedoch nicht.
    Meiner Meinung nach, werden Volkswirtschaften mit einer negativen Leistungsbilanz schon deshalb zu einer Inflation kommen, weil die Rohstoffe und Energie stark stiegen werden, weil Volkswirtschaften mit einer positiven Leistungsbilanz einfach mehr und mit härterer Währung bezahlen können.

    Weil sich Energie schlecht speichern lässt, habe ich mir Gedanken über eine Rohstoffwährung gemacht und auf Iridium bin ich nur gekommen, weil es das schwerste Element, und dadurch einfach zu identifizieren ist. Seine Seltenheit sollte der Preisentwicklung helfen. Binnen Jahresfrist hat sich sein Wert mehr als verdoppelt!
    Gold hat natürlich mehr Reiz, Schon die Nähe des Wortes zu Geld sagt alles. Goldbarren bleiben aber fälschbar, solange Iridium billiger ist als Gold.
    Von verbrieftem Gold ganz zu schweigen.

    Währungen tendieren in ihrem Wert allmählich immer gegen Null, und wenn eine Währung irgendwann ganz in sich zusammenfällt wird sie zwar durch eine neue Währung ersetzt, die allerdings auch wieder gegen Null tendiert.

    Gold, als Synonym für wertvolle Rohstoffe, tendiert in seinem Wert gegen Unendlich, weil es immer einen Preis dafür gibt, egal welche Währung gerade aktuell ist.

    So waren stabile Währungsphasen meistens die mit einer Goldpreis-Bindung und so sind heutige Goldpreis-Steigerungen eher ein Ausdruck von Währungs-Schwäche als von Wertsteigerung des Goldes.
    Es mag ja sein, dass eine moderate Inflation erstrebenswert erscheint, wenn wir uns deshalb aber anstatt an den Rohstoffen am US-$ orientieren wackelt der Schwanz mit dem Hund!

    Seit der Aufhebung des Goldstandards ist die Geldmenge des US-$ so gewaltig angestiegen, dass eine Unze Gold über 40.000,–$ kosten würde, wenn man die Geldmenge auf die angeblich immer noch vorhandene Anzahl der Unzen verteilen würde. Gemessen an der Geldmenge ist das Gold mit knapp 1.400,– US-$/Unze also relativ billig; ich bezweifele nämlich, dass in der Zeit so viele bleibende Werte entstanden sind, dass die Differenz dadurch gerechtfertigt werden kann.

    Ein naturwissenschaftlich basiertes Würfelsystem kann eine Währung nicht komplett ersetzten, könnte aber eine echte Orientierung bieten, solange es in effektiven Stücken und nicht über den Umweg einer einzigen Währung gehandelt wird.

    Obwohl ich als Goldschmied (und gelernter Banker) natürlich einen besonderen Bezug zu Edelmetallen habe, setzte ich natürlich nicht alles auf eine Karte.

    Vor den Rohstoffen habe auch ich noch mindestens vier bessere Anlagemöglichkeiten.
    1. Wir investieren in die Bildung und die Erziehung unserer Kinder.
    2. Wir achten darauf, dass wir körperlich und geistig möglichst fit bleiben.
    3. Wir kümmern uns um unser soziales Umfeld und haben Rückhalt in der Familie und im Freundeskreis.
    4. Unser Haus ist im Schuss sicher und energieeffizient. Ausweichmöglichkeiten gibt es, siehe 3.

    Darüber hinaus ist meine Devise: Die Altersversorgung ist nicht wichtiger als das Leben heute, weil rein versicherungsmathematisch der Tag morgen die Höchste Wahrscheinlichkeit hat und in die Zukunft abnimmt.

    So manche Menschen bei uns leben vor lauter Altersversorgungs-Wut in einer Zukunft, die sie gar nicht erleben werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Stefan Lachenmann

    • Wie ich bereits in meiner ersten Antwort versucht habe zu sagen: Sie verwechseln
      a) Wertaufbewahrungsmittel, und
      b) Zahlungsmittel.

      Iridium ist -möglicherweise- als Wertaufbewahrungsmittel geeignet, aber sicherlich völlig ungeeingnet als Zahlungsmittel oder Währung. Ganz ähnlich ist es übrigens mit Gold.

      Sie schreiben, dass stabile Währungsphasen an Gold gekoppelt waren. Ich habe das Gefühl, dass Ihnen diese Phasen nur deswegen stabil erscheinen, weil Sie all die schweren Krisen, die es damals gab, übersehen. Sie sind ja auch sehr, sehr lange her. Man schaue doch nur in die Geschichte. In der Zeit, als der Goldsandard galt, gab es alle 10 Jahre etwa schwerste Finanzkrisen. Dazu empfehle ich das Buch von Charles Kinleberger “Manien, Paniken und Crashes”. Hier kann man auch nachlesen, wie wichtig es ist, dass in Krisenzeiten die Notenbanken die Geldmenge erhöht. Exakt das haben unsere Notenbanken während der aktuellen Finanzkrise richtigerweise getan.

      Kindleberger zeigt auch ganz klar auf, dass in Krisen, während denen die Notenbanken nicht, den Geldhahn stark aufgedreht haben, sich um vieles verschlimmert haben. Exakt das ist ein starker Grund, von Währungen, die an Edelmetalle gebunden sind, Abstand zu nehmen. Solche Währungen heilen nicht etwa Krisen, sondern verschlimmern sie. So jedenfalls dieeindeutige historische Datenlage (die man natürlich nach Belieben einfach ignorieren kann, wie es all jene tun, die sich den Goldstandard wieder herbeisehnen). Siehe übrigens auch das sehr lesenswerte Buch von Liqauad Ahamed “die Herrn des Geldes” (ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand nach der Lektüre dieses Buches noch an den Goldstandard glauben kann.)

  3. Sehr geehrter Herr Dr. Peterreins,

    Vielen Dank für Ihre Ausführungen zu diesem Thema. Ich stimme mit Ihnen überein, dass es für eine Volkswirtschaft wesentlich ist, dass das Geld möglichst gut umlaufen kann. Ein reiner Tauschhandel mit Goldmünzen hätte sicherlich deflationäre Auswirkungen.

    Da aber bei der “Geldschöpfung” eigentlich nur ein Wert der von einem Anleger zur Bank gebracht wurde, weiter verliehen wird, könnte man hier tatsächlich auch von einer gedeckten Währung sprechen. Die Umlaufgeschwindigkeit des angelegten Wertes wird nur nicht über den Handel, sondern über die Vergabe von Krediten gefördert. Dabei entsteht kein “neues Geld”. Das heißt, es ist durchaus möglich, ein und den selben Barren “Wert” nochmals herauszugeben. In der Vergangenheit hat das funktioniert, mit Giralgeld wird es heutzutage weiter praktiziert, warum sollte dies mit „Wert-Zertifikaten“ heute nicht mehr funktionieren?

    Doch hinter jedem € Befehlsgeld (ohne Deckung) verbirgt sich Letztendlich die Schaffung von virtuellen Werten in Bankbilanzen, auch wenn dies durch die „multiple Geldschöpfung“ verschleiert wird. D.h. aber auch, dass der Schuldner das Geld irgendwann wieder zurückzahlen muss. Da der Schuldner sich für das Geld etwas kauft, wird er es später durch Arbeiten gehen wieder erwirtschaften müssen, um es an die Bank zurück zu zahlen.

    Zur Ihrer Aussage:

    „Ein Geldschein ist kein Schuldschein. Das ist ein Missverständnis. Ein Schuldschein benennt konkret den Schuldner und konkret, was genau geschuldet wird.“

    Die Bezeichnung, dass Geld ein Schuldschein sei ist zwar nicht sehr präzise, aber bei genauerer Betrachtung doch sehr aufschlussreich. Vielleicht wäre es besser zu sagen, Geld ist ein unpersonalisierter Schuld-wert-schein, und vorübergehendes Zahlungsmittel. Der Glaube, dass in dem Geld ein Wert steckt, rührt ja auch nur davon, dass die Gläubiger ihr Geld von den Schuldnern wieder bekommen.

    Zu Ihrer Frage; „Wem genau gegenüber soll mein 10-Euro-Schein denn gegen welche genaue Ware eintauschbar sein?“

    Ein Großteil der umlaufenden Geldmenge, ist vermutlich durch Staatsschulden entstanden sein. Dass heißt dass Sie bereits eine Ware bekommen haben für Ihren 10-Euro Schein, in Form von Zahlungsfähigkeit des Staatsaushaltes, oder Abwrackprämie.

    Ihre Frage müsste eigentlich lauten: Wem genau soll ich denn etwas Schulden wenn Geld tatsächlich ein Schuldschein ist?

    Die Antwort würde lauten: Sie Schulden dem Staat steuern, damit dieser seine Schuld für Ihre Abwrackprämie begleichen kann.

    Das eigentliche Problem aber ist, dass die Kosten die für eine Volkswirtschaft bei der Geldschöpfung entstehen (Zinsen) überhaupt nicht bezahlt werden können, weil eben diese Zinsen nicht mit „geschöpft“ werden.

    Was mir auffällt ist, dass man für die Bezahlung der Zinsen nicht einfach etwas mehr Arbeiten kann um seine Schulden zu bezahlen, sondern man muss schon für die Arbeit auch Geld verdienen. Eben dieses Geld wird bei der Begleichung der Schuld, der Wirtschaft dann aber entzogen. Der Schuldner muss sich also seine „unpersonalisierten Schuld-wertscheine“ + Zinsen vom Markt zurückholen. Der Markt ist es ihm schuldig, denn seine Waren und Dienstleistungen, die nun vom Markt nachgefragt werden sind schließlich nicht umsonst.

    Das Geldsystem ist also von Natur aus deflationär. Da weniger Geld geschöpft wurde, als nun + Zinsen zurückgefordert wird, verringert sich die Geldmenge. Die Folge davon ist, dass in der Volkswirtschaft ständig neue Kredite vergeben werden müssen, damit Schuldner Ihren Zins(seszins) Forderungen nachkommen zu können.

    Daraus ergibt sich auch, dass wir unsere Staatsschulden gar nicht bezahlen können. Eine Bezahlung aller Schulden, bedeutete eine Verminderung der Geldmenge gegen Null.

    Ich hoffe sie können mit meiner Ausführung etwas anfangen.

    Freundliche Grüßen,
    Heiko Regenbogen

    • 1. Die Geldmenge wächst, indem Geschäftsbanken Kredite an Privatpersonen, Unternehmen und den Staat vergibt.

      2. Die Geldmenge wächst NICHT, indem Zinsen anfallen.

      3. Mir ist nicht nachvollziehbar, wie Sie darauf kommen, dass ein Großteil der Geldmenge durch Staatschulden zustandegekommen sei. Was ist mit den Krediten an Privatpersonen und Unternehmen? Dei werden ja auch nicht bei Null sein, oder?

      4. Ich kann nicht nachvollziehen, dass ich für meinen 10-Euro-Schein schon eine Leistung vom Staat erhalten hätte, z.B. in Form der Abwrackprämie.

      Es gibt eine wissenschaftliche Geldtheorie, mit der sich viele schlaue Leute beschäftigen und beschäftigt haben. Ich finde man sollte sich zumindest an die Begrifflichkeit halten, die in der modernen ökonomischen Geldtheorie verwendet wird. Warum schwingen sich derzeit so viele Leute zu Hobby-Geldtheoretikern auf? Was z.B. das Licht betrifft, kommen die Leute auch nicht auf die Idee ihre perslönlichen Ideen zum Licht zu verkünden, sondern respektieren das, was die aktuelle physikalische Forschung sagt. Es gibt auch einen wissenschaftlichen Stand der Geldtheorie. Im Zweifel halte ich mich daran, als an dem, was derzeit so alles von Laien hervorgebracht wird.

      • Sehr geehrter Herr Dr. Peterreins

        Erst einmal vielen Dank für Ihre Antwort.
        Ich habe mich bei meiner Ausführung auf die gängige Geldtheorie gestützt. Ich muss zugeben, dass meine Gedanken bezüglich der Geldschöpfung noch etwas ungeordnet sind. Das liegt aber auch an meiner Studienlektüre (Mankiw), die mir das Thema offenbar nicht ausreichend darlegen konnte, weshalb sich für mich Platz zur Interpretation ergab.

        Ich finde es anmaßend mich als Hobby-Geldtheoretiker abzustempeln. Bein meiner Ausführung geht es lediglich um eine Beobachtung der Zusammenhänge. Ein Bewusstsein über das Wesen von Geld ist der Ausgang des Menschen aus seiner fremdverschuldeten Unmündigkeit.

        1. da stimme ich erstmal zu

        2. ganz genau – wie ich bereits sagte: Bei der Geldschöpfung wird der Zins nicht mit geschöpft.
        Die Zinsforderungen entziehen der Real Wirtschaft umlaufendes Geld, welches nur wieder über die Vergabe von neuen Krediten mit neuen Zinsforderungen in den Markt kommt.

        Ich muss mich also auch korrigieren. Die Geldmenge schrumpft nicht wirklich. Ich meinte eigentlich die Menge des umlaufenden Geldes schrumpft, die zum Kauf von Real Güter verwendet wird ohne dazu Kredit aufnehmen zu müssen. Die eigentliche Geldmenge schrumpft allerhöchstens um den Leitzins der Zentralbank, nimmt aber gleichzeitig wieder zu durch die Neuverschuldung.

        3. Der Staat bezahlt seine Schulden ja nicht, er bezahlt nur die Zinsen. Privatpersonen und Unternehmen hingegen meist schon.

        4. Die Antwort auf Ihre Frage sollte eigentlich dazu führen, die Form Ihrer Frage “Wem genau gegenüber soll mein 10-Euro-Schein denn gegen welche genaue Ware eintauschbar sein?” in frage zustellen.

        Sie haben ja Recht – der Geldschein ist kein Schuldschein im herkömmlichen Sinne.
        Aber sie können damit beim Kauf einer Ware Ihre Schuld beim Händler bezahlen, der wiederum eine Schuld bei der Bank zu begleichen hat. Keine Ahnung wie man das jetzt nennt. Vielleicht Geld?

        Wenn Sie glauben das unser derzeitiges Geldsystem so ungefährlich sei, weil sie darauf vertrauen, dass die Experten die sich das ausgedacht haben schlaue Menschen waren, dann empfehle ich ihnen das mal selbst zu prüfen.

        Vielleicht erschließt sich Ihnen dann auch der Grund warum sich derzeit so viele als Hobby-Geldtheoretiker aufschwingen.

        Vielen Dank für den Dialog,
        Heiko Regenbogen

  4. Ich stimmt Ihnen vollkommen zu, Herr Peterreins, ein Geldschein ist kein Rückzahlungsanspruch gegenüber den Euro-Volkswirtschaften, weil keine konkrete Verbindlichkeit dahinter steckt. Dennoch ist es eine interessante Idee, die dahinter steckt, denn mit irgend einer Art der volkswirtschaftlichen Verpflichtung ist der Geldschein durchaus verbunden. Schon fast ein philosophischer Ansatz, möchte ich meinen.

    • Hier sehe ich aber genau den Denkfehler:
      Wer genau ist zu was verpflichtet?
      Der Händler um die Ecke ist NICHT verpflichtet, mir für 10 Euro einen Stift zu verkaufen. Er könnte, wenn er es wollte auch 1000 Euro dafür verlangen. Er könnte auch, wenn er es wollte, seine Ware verstecken, und gar nicht gegen Euro zu verkaufen. Welches Gesetz sollte ihn dazu zwingen, seine Ware zu verkaufen, wenn er es nicht will?
      Ein Geldschein ist eben KEINE Verpflichtung. Der Geldschein funktioniert nur deswegen, weil ich darauf VERTRAUE, dafür irgendwann in der Zukunft etwas dafür zu bekommen. Es ist reiner Glaube. Nichts weiter. Das tut dem Geld als solchem aber keinen Abbruch. So funktioniert eben das System Geld: auf Glauben und Vertrauen. Aber eben nicht auf irgendwelchen Verpflichtungen.

  5. Hammer! Das hätte ich garnicht gedacht :-)

  6. Herr Peterreins,
    Sie sind der Meinung, daß ein Geldschein KEINE Verpflichtung ist.
    Radio Eriwan würde dazu sagen: Jein.
    Im Prinzip ja, aber …..

    Wenn ich ein Buch für 10 Euro verkaufe und nun diesen 10 Euro Schein in der Hand halte, dann ist in der Tat niemand verpflichtet, mir dafür etwas zu verkaufen.
    Insofern haben Sie recht, aber das ist nicht alles, was es zum Geldschein zu sagen gibt.

    Wie kommt denn der Geldschein überhaupt in die Welt ?
    Das ist der springende Punkt, den Sie “vergessen”.

    Für den Laien kann man es so erklären:
    Die Bank hat ein Girokonto bei der Zentralbank ( Zentralbank = ZB ).
    Bevor die Bank Geldscheine bei der ZB bekommt, braucht sie ein ZB-Guthaben, das sich um den Betrag vermindert, welchen sie als Bargeld von der ZB abhebt.

    Wie bekommt die Bank ein Guthaben auf ihrem ZB-Konto ?
    Sie macht ein Geschäft mit der ZB. Entweder hinterlegt sie ein Wertpapier als Pfand und bekommt im Gegenzug die Gutschrift
    auf ihrem ZB-Konto oder sie verkauft das Wertpapier und bekommt
    den Betrag gutgeschrieben.
    In beiden Fällen sind es Termingeschäfte. Zum fixen Zeitpunkt X muß die Bank den Betrag an die ZB bezahlen und bekommt dann das Wertpapier zurück.

    So, nun hat sich die Bank durch ein Kreditgeschäft auf Termin mit der ZB das nötige Guthaben auf ihrem ZB-Konto beschafft und läßt sich
    per Geldtransporter die Geldscheine liefern. Ihr ZB-Konto wird
    um den Betrag belastet, den sie als Geldscheine geliefert bekommt.

    Was ist demnach ein Geldschein ?

    Er entsteht durch einen Kredit einer Geschäftsbank bei der ZB, welcher voll besichert ist.
    Bei diesem Geschäft sind nur notenbankfähige Sicherheiten erlaubt, welche die ZB in einer Liste veröffentlicht.

    Das sind Staatsanleihen oder andere erstklassige Schuldverschreibungen von Schuldnern mit höchster Bonität.

    Ein Geldschein ist demnach was ?
    Richtig:
    Ein Geldschein ist nichts anderes als ein kleines Stück eines Wertpapieres (auch Staatsanleihen sind Wertpapiere), dem nicht mehr anzusehen ist, wer der Schuldner ist.
    Ein Geldschein ist somit ein anonymisierter und standardisierter
    und zessionsfähiger Teil eines Schuldscheines.

    Hinter jedem Geldschein steckt eine Forderung der ZB an eine Geschäftsbank, welche mit einem Wertpapier besichert ist.

    Wenn ich ein Buch für 10 Euro verkauft habe und nun diesen 10 Euro Schein in der Hand halte, habe ich keine Verpflichtung daraus.
    Ich kann diesen Geldschein verbrennen oder damit eine Flasche Wein kaufen.

    Das ändert aber nichts daran, daß dieser 10.-Euro Schein nur deshalb existiert, weil eine Geschäftsbank ein Wertpapier monetisierte und nun verpflichtet ist, 10.-Euro in bar zu einem fixen Termin an die ZB zu zahlen (plus Zinsen).

    Sobald die Geschäftsbank ihre Schuld in Form von ZB-Geld bezahlt, verschwindet das Guthaben auf ihrem ZB-Konto
    und ein 10 Euro Schein verschwindet im Tresor der ZB und ist kein Geld mehr.

    Ein Geldschein ist nicht “reiner Glaube” , sondern ein anonymisierter und standardisierter und zessionsfähig gemachter Schuldschein.

    Das Kaufen und Verkaufen basiert deshalb nicht auf “reinem Glauben”, sondern auf Verträgen, deren Nichteinhaltung erhebliche Konsequenzen haben.

    Aus einer völlig verkürzten und eingeschränkten Sichtweise kann ich natürlich sagen: Diese 10 Euro, welche ich hier in der Hand halte,
    sind keine Verpflichtung und es beruht alles nur auf Glauben,
    aber das stimmt eben hinten und vorne nicht.

    Wir können sogar noch weiter gehen und sagen:
    Damit dieser 10 Euro Schein überhaupt den Weg in die reale Welt
    findet, hat sich jemand bei einer Geschäftsbank verschuldet.
    Beispielsweise ein Häuslebauer.
    Er hat der Bank Eigenkapital bringen müssen und weitere Sicherheiten, im Normalfall der Eintrag ins Grundbuch.
    Nur mit diesen Sicherheiten und dem Nachweis eines geregelten Einkommens bekam er den Kredit, welcher über die Giralgeldschöpfung schließlich zur Refinanzierung und dann zur Auszahlung des Bargeldes führte.

    Hinter einem Geldschein steckt also immer – ohne Ausnahme – ein Kredit, welcher besichert ist.

    Dem Geldschein sieht man nicht an, wer den Kredit genommen und damit die Geldschöpfung initiiert hat, denn er ist ein anonymer Schuldschein.

    Die Triebkräfte, welche hinter dem Auftauchen von Geldscheinen stecken, sind folglich nicht nur “reiner Glaube”, sondern das Verpfänden von Eigentum und ein massiver Druck, Zins und Tilgung zu erwirtschaften, weil man sonst das verpfändete Eigentum verliert.

    Was dies bedeutet, weiß jeder, dessen Konto vom Finanzamt oder von der Bank gepfändet wurde und dessen Haus zwangsversteigert wurde.

    Herr Peterreins, wenn Sie die beiden Ebenen der Geldschöpfung
    betrachten (Giralgeldschöpfung und Zentralbankgeldschöpfung),
    dann sehen Sie, daß hinter jedem Geldschein massive und schwerwiegende Verpflichtungen stehen, die nichts mit “reinem Glauben” zu tun haben.

    Deshalb fände ich es angebracht, wenn Sie Ihre stark verkürzenden Thesen zum Geld überdenken würden.

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